Zu Lande, zu Wasser – und in der Luft?

manpadsGebotene Konsequenzen für den Luftverkehr wegen der Gefährdung durch MANPADS

In einer Entfernung von nur wenigen Metern waren kurz nach dem Start zwei Raketen an der Maschine vorbeigezischt – abgefeuert von Männern, die sich am Rand des Flughafens von Mombasa, Kenia, in Stellung gebracht hatten. Die Boeing 757 der israelischen Chartergesellschaft Arkia mit ihren 261 Passagieren war nur um Haaresbreite einem Terroranschlag entgangen. Das war bereits im Jahr 2002. Wurde die Idee, ein Flugzeug mit einer Rakete abzuschießen, von der islamistischen Terrorszene inzwischen aufgegeben? Wohl kaum. Noch zu Zeiten Saddam Husseins präsentierte der israelische Militärgeheimdienst der US-Regierung Dokumente aus Arafats Hauptquartier in Ramallah, die belegen sollten, dass der Irak Palästinenser an Boden-Luft-Raketen ausgebildet hatte. Etliche der Militärs des ehemaligen irakischen Machthabers haben mittlerweile beim „Islamischen Staat“ ein neues Betätigungsfeld gefunden.

Wir alle spüren spätestens seit dem Attentat in Paris die reale Bedrohung durch Terroranschläge. In der belgischen Hauptstadt Brüssel gilt seit Tagen die höchste Terrorwarnstufe, dort fährt keine U-Bahn mehr, einige Bahnhöfe wurden geschlossen. Das Fußballfreundschaftsspiel Deutschland gegen die Niederlande, das am 17. November hätte stattfinden sollen, wurde aus guten Gründen abgesagt. Allgemein wird empfohlen, weiche Terrorziele, d.h. Veranstaltungen, die eine große Angriffsfläche bieten, möglichst zu meiden.

Ein weiches Ziel ist natürlich auch der Flugverkehr. Deshalb werden zu Recht alle Passagiere an den Flughäfen gründlicher denn je auf Waffen und Sprengstoffe untersucht. Was aber, wenn die Bedrohung der Flugzeuge vom Boden aus erfolgt? Und eine Bedrohung durch Fliegerabwehrwaffen ist ganz real.

MANPADS (man-portable air defence systems) sind problemlos zu transportieren und wiegen kaum 15 Kilogramm. Diese schulterbaren Raketenwaffen, wie etwa die russische Strela oder die US-amerikanische Stinger-Rakete, sind während des Ost-West-Konflikts von den Supermächten an ihre Verbündeten geliefert worden – unter anderem auch nach Afghanistan und den Irak, wo sie in Folge der Kriege in die Hände nicht-staatlicher Akteure gelangt sind. Aber auch aus den Waffenarsenalen des gestürzten libyschen Machthabers Muammar el Gaddafi sind nach dessen Sturz fast 5000 Flugabwehrraketen des Typs SAM-7 verschwunden. Die meisten der SAM-Raketen – die Abkürzung steht für “surface to air missile” – sind nach dem Fall von Tripolis Ende August 2011 abhanden gekommen. Damals öffneten die Rebellen viele Waffenlager des Regimes, prall gefüllt mit Raketen. Und in Syrien soll auch der IS etliche dieser Waffensysteme erbeutet haben.

Militär-, aber auch Zivilflugzeuge können geschützt werden, wobei es keinen hundertprozentigen Schutz gibt. Boden-Luft-Raketen suchen die Hitze, die die Triebwerke des Passagierflugzeugs abstrahlen. Spezielle Systeme stören die Lenkköpfe von Raketen, indem sie Infrarotstrahlen ausschicken, die die Steuerung der Flugkörper irritieren. Die Raketen verfehlen ihr Ziel und stürzen schließlich orientierungslos ab. Es ist wahrscheinlich, dass etliche von prominenten Politikern genutzte Flugzeuge mit diesen Abwehrsystemen ausgerüstet sind. Es wird auch vermutet, dass die israelische Boeing 757, die dem Anschlag in Mombasa entgangen war, entsprechend geschützt war. Je nach Größe sind für ein Verkehrsflugzeug drei bis vier Systeme notwendig – eine Investition von mehreren Millionen Euro.

Aus dieser ganz konkreten und akuten Gefahrensituation müssen unseres Erachtens zwei Konsequenzen gezogen werden. Alle Passagierflugzeuge benötigen modernste Raketenabwehrsysteme, auch wenn das eine Milliardeninvestition für die Fluggesellschaften bedeuten würde. Der Ausbau von Flughäfen in der Nähe von Wohngebieten muss sofort gestoppt und der Flugverkehr, soweit überhaupt möglich, zu Flughäfen in Gebieten mit geringerer Bevölkerungsdichte umgeleitet werden.

Die Bedrohung in unseren Städten und auf den Flughäfen nehmen wir ernst. Die Bedrohung für den zivilen Luftverkehr und die Bevölkerung durch herabstürzende Flugzeuge in der unmittelbaren Umgebung der Flughäfen wird weitgehend unterschätzt oder doch zumindest totgeschwiegen. Wir müssen uns aber auch dieser Gefahr stellen und die Konsequenzen ziehen.

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