Triebwerksprobeläufe – LH gegen jeglichen Lärmschutz

Triebwerksprobeläufe – Geheimverhandlungen zum Thema Bodenlärm.
Inakzeptabler Vergleichsvorschlag des VGH Kassel Mörfelden-Walldorf. Aus gutem Grund forderte die Stadt Mörfelden-Walldorf von Anbeginn der Flughafenausbau-Verfahren eine Lärmschutzhalle für Triebwerksprobeläufe.

Von Sascha Friebe

Aus den aktuellen Planfeststellungsunterlagen geht hervor, dass die bisherigen Örtlichkeiten für Probeläufe zwischen dem Parallelbahnsystem aufgegeben werden sollen und die Probeläufe unter Volllast in Zukunft ausschließlich vor der A380-Wertfhalle stattfinden sollen. Eine Horrorvision für Mörfelden-Walldorf. Folgerichtig erhob die Stadt Mörfelden-Walldorf Klage und beauftragte einen Gutachter mit der Untersuchung der zu erwartenden Belastungen für die Stadt.

Durch eine Indiskretion wurde nun bekannt, dass der Stadt seit Mitte März ein Vergleich des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) Kassel vorliegt, der in keiner Weise den Schallschutz-Interessen der Stadt Mörfelden-Walldorf gerecht wird.

Als geradezu naiv ist die Überarbeitung dieses Vergleichs durch die Stadt Mörfelden-Walldorf selbst zu bezeichnen (Vergleichsvorschlag vom 22. April 2008). Darin bestätigt die Stadt im Wesentlichen wörtlich die fragwürdigen Lärmgrenzwerte des aktuellen Planfeststellungsbeschlusses. Lediglich um eine frühere Realisierung und um Berücksichtigung eines unbezifferten Tonalität-Zuschlags wird gebeten.

Die Interessengemeinschaft Ökoflughafen kritisiert den Ausschluss der interessierten Öffentlichkeit an der Fortentwicklung des Verfahrens. „Es ist an der Zeit“, so deren Sprecher Sascha Friebe, „dass die Strategie der bisherigen Geheimverhandlungen beendet wird und die Stadt alle Ergebnisse öffentlich macht. Nur so lassen sich folgeschwere Fehler aufdecken und in Zukunft vermeiden.“

Kritik ist auch an dem Gutachten zu üben, das die Stadt hierzu in Auftrag gegeben hatte. Obwohl der Gutachter testierte, das ausgerechnet bei Probeläufen unter Volllast an allen Messpunkten in Mörfelden-Walldorf die Grenzwerte des Planfeststellungsbeschlusses überschritten wurden, kommt er zum dem Schluß, dass diese Überschreitungen durch ein „Monitoring“ und der Vermeidung von Probeläufen unter ungünstigen meteorologischen Bedingungen beherrschbar seien. Ein reichlich phantasievoller Vorschlag denn der Betreiber Lufthansa wird sich aus betrieblichen Gründen niemals auf Probeläufe nur bei „Schönwetter-Bedingungen“ einlassen.

Ganz im Gegenteil: Die Lufthansa ließ bereits verlautbaren, dass sie gegen jegliche Lärmschutzmaßnahmen Klage erheben wird. Es besteht also zusätzlich die Gefahr, dass selbst ein akzeptabler Vergleich im Nachhinein durch eine solche Klage nichtig wird und die Stadt einmal mehr mit leeren Händen dasteht.

Die Interessengemeinschaft Ökoflughafen fordert daher die Zurückweisung des vorliegenden Vergleichs, eine Offenlegung aller Unterlagen, eine öffentliche Diskussion hierüber sowie das Festhalten an der Klage mit dem Ziel, eine Lärmschutzhalle verbindlich festzuschreiben.

„Es ist nicht nachvollziehbar, dass an zweitrangigen Flughäfen wie Hamburg, Düsseldorf und jüngst Leipzig Lärmschutzhallen gebaut wurden – der Weltflughafen Fraport jedoch sich lediglich mit dem Aufstellen zweier Lärmschutzwände aus der Verantwortung stehlen will. Probeläufe werden oftmals in der Kernzeit der Nacht durchgeführt. Einer Zeit, in der der normale Flugverkehr weitgehend ruht und der schlafende Mensch besonders empfindlich auf störenden Lärm reagiert.“, so der Sprecher weiter.

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Sascha Friebe
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