Seit über 40 Jahren Aktivist

Erik Erstfeld spricht mit Dirk Treber „Ich lebe gerne in Mörfelden-Walldorf“, erzählt Dirk Treber (58). „Hier bin ich zuhause, und hier fühle ich mich wohl.“ Treber ist verheiratet und hat eine Tochter und zwei Enkel „und schon immer auch mindestens einen Chow-Chow“, lacht der sympathische Mörfelder
Das Elternhaus von Dirk Treber stand gegenüber dem Pfarrhaus in Mörfelden. Hier war seit 1958 Kurt Oeser tätig, der als Umwelt- und Startbahnpfarrer deutschlandweit bekannt werden sollte. Er setzte sich schon 1965 für Opel-Schichtarbeiter ein, die unter dem Fluglärm litten, und war 1965 Mitbegründer der Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms (IGF), deren Vorsitzender Dirk Treber seit Mitte der 90er-Jahre ist. „Dieser Mann hat mich entscheidend geprägt“, berichtet Treber. Schon als Konfirmand verteilte er Mitte der 60er-Jahre in der Umgebung Oesers Flugblätter. Als 1978 die Startbahn West geplant wurde, gründete Dirk Treber gemeinsam mit Gleichgesinnten die Bürgerinitiative gegen den Flughafenausbau. „Die Menschen in dieser Region haben eine im schönsten Sinne des Wortes rebellische Tradition. Im 17. Jahrhundert siedelten sich hier Waldenser aus dem Piemont an, die sich in den Alpentälern seit Jahrhunderten der katholischen Amtskirche widersetzt hatten und schließlich von dort vertrieben wurden. Die Arbeiterwohngemeinde Mörfelden wurde früher „Klein-Moskau“ genannt. Die Bürger stehen der Obrigkeit kritisch gegenüber und verstehen sich im Bedarfsfall zu solidarisieren und zu organisieren“, beschreibt Treber den Menschenschlag seiner Heimat. Mit der Entscheidung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom 21. Oktober 1980 für den Bau der neuen Startbahn endete die gerichtliche Auseinandersetzung, während sich der Widerstand vor Ort zuspitzte. „Auf dem Gelände der geplanten Startbahn West errichteten wir am 3. Mai eine Hütte, die zur Information von Spaziergängern dienen sollte. Am frühen Morgen fingen wir mit der Unterstützung durch ortsansässige Zimmerleute mit dem Bau an, nachmittags war die Hütte fertig. In diesen Tagen erlebten wir eine Allianz der Lang- und Grauhaarigen. An der Hütte fand sich ein Querschnitt der ganzen Bevölkerung ein – Gewerkschafter, Politiker und Pfarrer, Jung und Alt, Frauen und Männer.“ Dirk Treber denkt gerne an diese Zeit zurück. Später beschloss die Bürgerinitiative die Hütte zu einem dauerbewohnten Hüttendorf auszubauen, um schneller auf Rodungsabsichten reagieren zu können. Es wurden mehrere bau- und hausrechtlich illegale Hütten und sogar eine Hüttenkirche der Walldorfer und Mörfelder Kirchengemeinden gebaut. Einer der Höhepunkte war der 14. November 1981 in Wiesbaden. Dort demonstrierten damals mehr als 120.000 Bürger gegen die Startbahn-Pläne. Dem Landeswahlleiter wurden 220.000 Unterschriften für ein Volksbegehren übergeben, dem dann aber doch nicht stattgegeben wurde. Die Startbahn West ist schon längst in Betrieb, eine neue Landebahn Nord soll ab nächstem Jahr gebaut werden. War und ist aller Widerstand sinn- und zwecklos? „Es stimmt, dass wir bis jetzt kaum direkte Erfolge vorweisen können, und doch haben all die Jahre der Aufklärung und des Engagements gegen Fluglärm und Umweltverschmutzung vieles verändert. Unzählige Menschen haben ihr Leben umgestellt und wurden ökologisch sensibilisiert. Dass der Flugverkehr einer der schlimmsten Klimakiller ist, weiß heute im Gegensatz zu manchem Politiker fast jedes Kind. Wir kämpfen auf friedlichem Weg mit allen Mitteln weiter.“