Rede zur Menschenkette

Dr. Ursula Fechter

Liebe Freundinnen und Freunde aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet und aus Berlin.

Ihr seid die Brücken zu den Betroffenen im ganzen Bundesgebiet, denn Ihnen gratulieren wir zu ihrem Sieg bei dem Bürgerentscheid über die geplante dritte Landebahn. Dies ist ein endgültiges Zeichen für ein Umdenken in unserer Gesellschaft: Schluss mit dem immer schneller, immer höher, immer weiter.Die Abstimmung in München war ein riesiger Meilenstein.Sie zeigt: die Grenzen des Wachstums sind nicht nur erreicht, sie sind schon überschritten. Dort in München wird der Bau einer neuen Landebahn verhindert, wir hier in Frankfurt müssen ihn rückgängig machen. Der Ausbau war ein Fehler, der korrigiert werden muss und das wird uns gelingen.Das ist nur einer von vieren. Wir waren viele !!!

Herzlich Willkommen bei uns!
Wir stehen hier am Mainufer. Schaut Euch um! Vor uns der Lärmterror über viele Kilometer in der Nähe der Einflugschneise. Lärmterror für eine ganze Region!

Wollen wir das – NEIN!

Vor uns eine immer größer werdende Quelle von Schadstoffen. Schadstoffe für eine ganze Region.

Wollen wir das – NEIN!

Lange wurde der Ausbau vorbereitet. Mit Lug und Trug mit Beschwichtigungen und falschen Gutachten wurden die Bürgerinnen und Bürger über Jahre ruhiggestellt und verraten. Vertraut uns, hieß es!

Der Ausbau ist das Rezept für mehr Wohlstand und Sicherheit. Ohne Risiken und Nebenwirkungen. Gebt uns Kredit, wir tun doch alles nur für Euch. Ab  21. Oktober 2011 kam dann die Wahrheit ans Licht. Plötzlich sprach man von riesigen Nebenwirkungen! Plötzlich sprach man von einem Sonderopfer, das viele in der Region bringen müssen. Denn Ausbau heißt: Erwachsene und Kinder unter dauernden Schlafentzug setzen und tagsüber dauerhaft zu verlärmen.

Wollen wir das – NEIN !

Ausbau heißt: Tausende von  Abgasen wie Kohlenmonoxyd , Schwefeldioxyd und Stickoxyden zusätzlich über unseren Köpfen. Tausende von Tonnen hochschädlichen Feinstäuben.

Wollen wir das – NEIN !

Kinder werden dadurch bewusst in Ihrer Entwicklung geschädigt. Das war alles bekannt und war den Planern egal!

 

Für uns bedeutet das:

  • 19 % mehr Herz- und Kreislauferkrankungen
  • 25 % mehr Schlaganfälle
  • 34 % Steigerung der Brustkrebsfälle
  • Verdoppelung des Risikos zu Bluthochdruck
  • In 15 Jahren 50 % mehr Todesfälle durch Herzinfarkte
  • Und das ist nachgewiesen in vielen Gutachten.

 

Das ist verantwortungslos und menschenverachtend.

Schande über die Landesregierung von CDU und FDP, die uns, die Bürger schützen sollte! Dürfen unsere Kinder ein Sonderopfer für Fraport und die Politiker sein?

Wollen wir das – NEIN!

 Dagegen gibt es nur ein Rezept. Die Bahn muss weg.

 Die Reaktion der Landespolitiker aus Wiesbaden und der verantwortlichen Politiker aus Frankfurt auf unseren Protest ist eine Mischung aus Arroganz und Ignoranz. Es geht auch anders: in Mainz letzten Samstag hat der Oberbürgermeister von Mainz bei der Demonstration von 10.000 Leuten sich an die Spitze des Widerstandes gesetzt hat. Aber in Frankfurt wurde in der gleichen Woche die Oberbürgermeisterin Roth in der Paulskirche vom Grünen  Bürgermeister Cunitz für ihre Bürgernähe gelobt. Während draußen zur gleichen Zeit  tausende von Demonstranten protestiert und Frau Roth an ihren Satz : „ wem es zu laut ist, der hat das demokratische Recht, wegzuziehen“ erinnert haben. Das war gespenstisch. So sieht ihre Bürgernähe aus. Das ist an Absurdität nicht mehr zu übertreffen.

Wir sollen wegziehen, wenn es uns zu laut ist. Schon das ist eine bodenlose Unverschämtheit. Aber es geht noch besser:

Der Condor-Chef, Herr Teckentrup, der selbst in Kronberg wohnt,  hat doch tatsächlich wörtlich behauptet: „ Wir reden über ein paar tausend Leute, die alle  nicht dort wohnen müssen, wo sie wohnen“.   Nein, Herr Teckentrup, es sind hunderttausende und die Leute haben ein Recht dort in ihrer Heimat wohnen. Anders herum wird ein Schuh draus: Die Landebahn muss nicht dort sein, wo sie ist. Sie muss überhaupt nicht dort sein.

Die Bahn muss weg. Und wir müssen auch nicht mit Condor fliegen.

Unser Widerstand wächst und wird immer vielfältiger und kreativer. Das haben wir heute mit der Menschenkette wieder gezeigt. Das zeigen wir mit unserer Lärmwehr, die die Verantwortlichen, wie Herrn Koch, Herrn Schulte und Frau Roth besucht hat ( Bouffier wird folgen). Wir haben ihnen den Lärm vor die Haustüre gebracht hat. Übrigens nicht vor 7 Uhr morgens, da aus Sicht der Ordnungsämter der frühere Lärm nicht zumutbar ist. Kein einziger kam auch  nur vor die Tür. Kein einziger hat sich der Diskussion gestellt. Ich nenne das Feigheit vor dem Bürger. So sieht bei uns die Bürgernähe aus! Unsere Region ist ohnehin schon mit Schadstoffen belastet.  Dieser Ausbau wird viele krank machen!

Dagegen gibt es nur ein Rezept. Die Bahn muss weg.

Ein Fraport-Ausbau statt alternativer Verkehrskonzepte war und ist verantwortungslos. Die Schäden an Gesundheit, Vermögen und Umwelt sollen wir zahlen, die Gewinne streichen wenige ein! Die wahren Kosten des Ausbaus wären die einer Umsiedlung. Das sind viele Milliarden Euro. Dann würde sich aber der Ausbau nicht rechnen. Und wenn Fraport mit dem Ausbauprojekt eine Bruchlandung hinlegt, dann dürfen die Steuerzahler blechen, den Fraport gehört mehrheitlich der öffentlichen Hand. Dann wird wieder von einem Sonderopfer geredet werden. Von denen, die jetzt schon Wasser predigen und Wein trinken.

Dagegen gibt es nur ein Rezept. Die Bahn muss weg!

Da wir gerade vom Wasser reden. Wir lassen uns nicht mehr das Wasser abgraben. Wir haben die Nase gestrichen voll von Eurem Geschwätz. Es steht uns bis hier oben! Wir gießen Euch Wasser in Euren Wein. Wir werfen keine Steine, wir sind viel gefährlicher.

Als Koch sein Nachtflugversprechen brach und die Betroffenen vor Gericht zogen, haben mir neun von zehn Leuten gesagt. Gebt auf, Ihr habt die Advokatengeschwader von Fraport, der Landesregierung und der Lufthansa gegen Euch. Wir haben den Betrug öffentlich gemacht und wir haben vor Gericht weitergekämpft!

Eine krachende Niederlage der Landesregierung war die Folge! Noch sind nicht mal alle Klagen abschließend bearbeitet. Wir machen weiter.  Und wir machen ein neues Fass auf!

Weil uns die Fraport und hessische Landesregierung von CDU und FDP unser Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit rauben, müssen sie demnächst mit einer Verfassungsbeschwerde rechnen.

Wir kämpfen weiter – bundes und europaweit– vor Gericht und auf der Straße – wir werden immer mehr – wir werden immer kreativer.  Wir haben die Kirchen, die heute aus Protest ihre Glocken geläutet haben auf unserer Seite. Wir haben die  Bundesärztekammer und das Bundesumweltamt auf unserer Seite. Und wir werden gewinnen, denn wir haben das Recht, das Recht auf körperliche Unversehrtheit nach unserem Grundgesetz auf unserer Seite!

Die Bahn muss weg!

Kommentar verfassen