Kurzanalyse zu den Fraport Geschäftszahlen 3. Quartal 2020

Kurzanalyse zu den Fraport Geschäftszahlen 3. Quartal 2020.

Die Geschäftszahlen der Monate März bis September 2020 sowie die Zahlen des 3. Quartals 2020, zeigen deutlich die massiven Auswirkungen der Corona Pandemie. Im September 2020 lagen die Passagierzahlen trotz beginnender Herbstferien bei ca. -83,9 % und die Flugbewegungszahlen bei ca. -63,7 %. In der letzten Juli Woche lagen die Passagierzahlen bei nur noch ca. -80 % gegenüber 2019 und die Flugbewegungszahlen bei ca. -66 %. 

Fraport bezieht dies allein auf die Corona-Pandemie und führt aus: -Die COVID-19-Pandemie hat die Geschäftszahlen des Flughafenbetreibers Fraport in den ersten neun Monaten des Jahres massiv belastet. Der Konzern-Umsatz ging um mehr als die Hälfte zurück-. Dabei verschweigt Fraport bewusst, dass in den ersten 2 Monaten 2020 die Passagierzahlen bei -2,3% und die Flugbewegungszahlen bei -2,9% lagen, also noch nicht wirklich von Corona geprägt. Die ersten 2 Monate folgten dabei nur dem im letzten Quartal 2019 begonnenen Trend, bei dem die Passagierzahlen bereits im November 2019 gegenüber dem Vorjahr negativ waren und die Flugbewegungszahlen schon bereits seit Oktober 2019 negativ waren Hierbei spielten die Klimaschutzdebatte und das Thema Flugscham bereits eine wichtige Rolle, welche dann durch die Corona Pandemie noch massiv verstärkt wurde.

Umsatzentwicklung

Im 3. Quartal 2020 lag der Umsatz 406,9 Mio. € oder bei –61,9 % gegenüber 2019. In den ersten neun Monaten 2020 lag der Umsatz bei insgesamt 1.317,5 Mio. € dies entspricht einem Minus gegenüber dem Vorjahr von -1.534,7 Mio. € oder ca. -53,8%. Das Minus ist nur deshalb nicht so hoch, weil die ersten beiden Monate 2020 wie oben angeführt noch relativ normal waren.

EBIT

Hier lag das EBIT im 3. Quartal bei -360,8 Mio. € oder bei -677,0 Mio. € gegenüber dem Vorjahr und in den ersten neun Monaten 2020 bei -716,9 -Mio. € oder -1.255,6 Mio. € gegenüber dem Vorjahr.

Nettoerlöseinnahmen je Passagier

Als eine Besonderheit stellt sich der pro Kopf Nettoerlös je Passagier aus den Käufen im Terminal dar. Denn dieser ist gegenüber dem Vorjahr um € 1,21 auf € 4,40 gestiegen. Jedoch wird sich diese Steigerung dieser bisher sehr wichtigen Einnahmequelle (2019 waren es ca. € 220 Mio.) bei der geringen Anzahl der Passagiere nur bedingt auf das Ergebnis auswirken. Matthias Zieschang, Finanzvorstand der Fraport AG, führt das auch auf den entschleunigten Restflugbetrieb und somit entspanntere Passagiere zurück.Dies mag auch ein Grund sein, aber m. E. ist es im Wesentlichen der größere Anteil an Geschäftspassagieren und der geringere Anteil an Billigfliegern und Last Minute-Bucher, denn wer billig fliegt, kauft nicht teuer am Flughafen ein.

Personalmaßnahmen und -abbau 

Seit dem 2. Quartal 2020 sind bis zu 18.000 Mitarbeiter im Durchschnitt zu 50% in Kurzarbeit. Die Kurzarbeitsquote wurde während des Sommerreiseverkehrs leicht reduziert und die Quote wurde mittlerweile wieder angehoben. 

Darüber hinaus will Fraport insgesamt ca. 4.000 Mitarbeiter abbauen. In erste Linie soll dies geschehen über ein Freiwilligenprogramm zu dem sich bereits ca. 1.600 entschieden haben. Hinzu kommen ca. 500 vereinbarte Aufhebungsverträge und viele auslaufende befristete Verträge insbesondere bei der Tochtergesellschaft FraSec. Darüber hinaus hat sich seit dem 31. 12.2019 die Anzahl der Beschäftigten bis zum 30.09.2020 bereits um ca.1.300 reduziert. 

Ob dies insgesamt reichen wird, hängt noch von vielen weiteren Faktoren ab. Zum Beispiel, wie sich die Covid 19 Pandemie weiterentwickelt, sowie welche Maßnahmen der größte Fraport Kunde in Frankfurt, die Lufthansa AG, noch weiter ergreifen wird. Dies hat man bei Fraport bedingt erkannt.

Finanzbedarf

Im laufenden Jahr hat Fraport rund 2,7 Milliarden Euro an zusätzlicher Finanzierung aufgenommen. Zum einen im Juli eine Anleihe über 800 Millionen Euro ausgegeben und im Oktober ein Schuldschein mit einem Gesamtvolumen von 250 Millionen Euro platziert. Mit liquiden Mitteln sowie zugesicherten Kreditlinien von über drei Milliarden Euro glaubt Fraport gut aufgestellt zu sein, um die aktuelle Krise zu bewältigen und gleichzeitig im notwendigen, reduzierten Umfang in die Zukunft zu investieren. Die Nettofinanzschulden belaufen sich bereits auf € 5,11 Mrd. Wie dieses Geld in den nächsten Jahren wieder verdient werden sol,l auch darüber schweigt sich Fraport aus.

Terminal 3

Fraport glaubt, dass sich die Verkehrszahlen ab 2025 wieder auf das Niveau von 2019 einpendeln wird Deshalb hat man einzelne Baumaßnahmen bedingt durch die aktuelle Nachfragesituation zeitlich gestreckt. „Der Vorstand plant nun eine gemeinsame Inbetriebnahme nach Fertigstellung des Terminal 3 und Pier G zum Sommerflugplan 2025, abhängig von der weiteren Marktentwicklung. 

Fraport Prognosen

Fraport glaubt, dass sie 2021 nur etwa 35 bis 40 % des Passagieraufkommens von 2019 erreichen werden. Und auch in 2023 / 2024 nur 80 bis 90 % des Niveaus von 2019 erreichen werden. Hier heißt es abwarten ob diese Euphorie jetzt schon angebracht ist.

Wie Fraport Prognosen zu werten sind, zeigt eindeutig die Vergangenheit, denn die von Fraport für den Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau des Flughafens vorgelegten Prognosen zu der Verkehrszahlenentwicklung waren zum Teil bis zu 25 % falsch.  

2020 prognostizierte man 88,6 Mio. Passagiere. 2019 waren es jedoch nur 70.5 Mio. und ohne die, mit Sondertarifen angelockten Billigflieger, wäre man bei 67 Mio. gelandet

Bei den Flugbewegungen sah es ähnlich aus. Für 2020 prognostizierte man 701.000 Tsd. Flugbewegungen. 2019 waren es aber lediglich 513.912 und ohne die, mit Sondertarifen angelockten Billigflieger, wäre man bei 492.800 gelandet. Dies ist entspricht der Anzahl der Flugbewegungen des Jahres 2007 mit nur drei Start und Landebahnen.

Fazit

Bei Fraport versucht man wie immer Euphorie auszustrahlen aber lässt dabei völlig offen wie dies geschehen soll.

Hierbei ignoriert man auch die mit der Coronakrise in der Wirtschaft getroffenen Erkenntnisse, dass viele Konferenzen als Video Konferenzen abgehalten werden können, womit viele Geschäftsreisen entfallen werden.

Dass die Deutsche Lufthansa als Hauptkunde am Frankfurter Flughafen einen erheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung von Fraport hat, scheint man nur bedingt erkannt zu haben. Lufthansa dagegen, hat erkannt, dass es so nicht weiter gehen wird und reduziert seine Flotte um ca. 20%, stellt die Pilotenausbildung ein und hat bereits 14.000 Mitarbeiter abgebaut, Dies wird zwangsläufig zu einer erheblichen Reduzierung der Aktivitäten der Lufthansa am Flughafen Frankfurt führen und wird nachteilige Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf, die Ertragslage und alle finanziellen Kennzahlen im Fraport Konzern haben. Der Abbau von Flugkapazitäten betrifft dabei nicht nur die Lufthansa, sondern wird auch bei vielen anderen Fluggesellschaften aktuell durchgeführt. Auch die Eröffnung von BER wird sich auf den Frankfurter Flughafen auswirken, denn die Bundespolitiker und viele andere wollen doch nicht immer von Berlin via Frankfurt oder München in die Welt fliegen.

Auch scheint man bei Fraport insbesondere die kritische Einstellung von großen Teilen der Bevölkerung und von immer mehr Unternehmen zum Fliegen zu ignorieren, die insbesondere auch aufgrund der massiven Klimaschutzdebatte und mit dem durch die Covid 19 Pandemie gemachten Erfahrungen während des lock down, dass man nicht unbedingt  mehrfach im Jahr in die Welt fliegen muss, denn dies ist vielen, insbesondere auch durch die Corona bedingte massive Lärm- und Schadstoffreduktion, klar geworden, dass das Fliegen eine der umweltschädlichste Art der Fortbewegung ist.

Unter all diesen Umständen kann ich in keiner Weise verstehen, dass das Terminal einfach weiter gebaut wird. Auch warum am Frankfurter Flughafen alle 4 Start und Landebahnen offenbleiben müssen, ist mir unverständlich, denn per Ende September lagen die   Passagierzahlen auf einem Niveau von vor 1986 und die Flugbewegungen auf einem Niveau von vor 1983.(vor der Eröffnung der Startbahn West) und die Verkehrszahlen werden bis zum Jahresende noch weiter sinken. Hier will man Normalität signalisieren, die nicht da ist. Hier könnte man massiv Geld einsparen.

Frankfurt, den 05. November 2020

Wolfgang Heubner

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