Keine Ruhe geben im OB-Wahlkampf

Eine Begegnung besonderer Art (von Knut Dörfel)More...

Weil ich überzeugt bin, dass unsere Forderungen “Schließung der Landebahn Nord”,“Begrenzung der Überflüge” und  “Nachtflugverbot” auf jedem Forum und in jeder politischen Veranstaltung der Stadt eingebracht werden müssen, weil es für uns keine Kompromisse geben kann, habe ich mich am Freitag, 06.01.2012, aufgemacht in die “Salzkammer” in der Weißadlergasse zum “Kennenlernen mit der OB-Kandidatin der Grünen”. Das Lokal war bei Beginn der Veranstaltung sehr gut besucht, gerade noch so habe ich einen Sitzplatz bekommen.

Die kurze Begrüßung durch die Vorsitzende der Grünen Frankfurt war gerade vorbei und ich benötigte einen Moment, um zu realisieren, dass für die Veranstaltung ein besonderes “Format” gewählt worden war: Die Kandidatin geht von Tisch zu Tisch um sich jeweils im kleinen Kreis bekannt zu machen und kurze Gespräche zu führen.
Meine Erwartung eines öffentlichen Gesprächs, in das ich meine Anliegen und Fragen
einbringen wollte, wurde also nicht erfüllt. Immerhin fand ich auf dem Tisch einen grünen Stift und ein leeres Formular: “Ihre Fragen an Rosemarie Heilig”. Also begann ich zu notieren, was ich viel lieber öffentlich vorgetragen hätte:

Wie glaubwürdig sind Sie und die Frankfurter Grünen angesichts der Unerträglichkeit der Landebahn Nord und der wahnwitzigen Pläne, die Anzahl der Flüge von jetzt 500.000 auf nahezu 1 Million binnen weniger Jahre zu steigern?

Mit Ihrer Stillhaltepolitik der letzten Jahre sind die Grünen in höchstem Maße mitverantwortlich dafür, dass Hunderttausende in Frankfurt und im Umland in einer unerträglichen Situation sind, was Fluglärm, giftige Abgase, Gestank und Absturzgefahren betrifft!

Wie erklären Sie heute Ihre Äußerungen vom Landesparteitag der Grünen vor weniger als 4 Wochen, man müsse verstehen, dass “aus der Landebahn keine grüne Wiese mehr gemacht werden” könne?

Wie stehen Sie zu dem so genannten “Realo-Beschluss” des Landesparteitags, der ausdrücklich keine Stillegung der Landebahn und keine Begrenzung der Überflüge vorsieht und sich mit einem Nachtflugverbot begnügt, so wie in ihrem Flyerchen hier auf den Tisch mit Ihrer Wahlkampfparole “STILLES NEUES JAHR. Und OB!”?

Während ich noch schrieb, wurde es über das sonstige Kneipengemurmel hinaus einige Tische weiter plötzlich laut und streitbar. Zunächst war unklar, weshalb, aber dann waren Sätze zu vernehmen wie “Ich bin aber nicht hergekommen, um hier nur ein Kuschelgespräch zu führen!” “Wie soll ich mich nicht aufregen, wenn ich es zu Hause und in unserem Stadtteil vor Lärm nicht mehr aushalte!” Plötzlich verstummten alle Gespräche für einen Moment, und dann gab es Beifall. Und als von der anderen Seite des Lokals die Bemerkung kam: “Deshalb braucht man doch nicht so zu schreien!”, konnte ich mit einem entsprechenden Zwischenruf erklärend aushelfen: “Vielleicht muss man aber schreien, wenn man bei sich zu Hause von morgens um 5 bis abends um 23 Uhr im Minutentakt von unerträglichem Fluglärm belastet ist!

“Die Atmosphäre war plötzlich ziemlich aufgeladen, auch wenn die Tischgespräche nunwieder einsetzten. Da Frau Heilig zufällig gerade in unserer Nähe war, gelang es mir in diesem Moment, sie anzusprechen und an den Tisch zu bitten.

Nun konnte ich meine Fragen und Vorhaltungen tatsächlich loswerden. Mein Wunsch nach einem öffentlicheren Gespräch, nicht in Murmellautstärke am Tisch, wurde mir zwar nochmals mit Hinweis auf das beschlossene “besondere Format” der Veranstaltung verweigert, und ich wurde mehrmals um Mäßigung meiner Lautstärke gebeten, aber ich konnte immerhin vortragen, was ich zu sagen hatte, konnte die Befürchtung “Ja, wollen Sie mich jetzt beschimpfen, oder was?” zerstreuen und es wurde mir immerhin erklärtt, dass Frau Heilig inzwischen anders als noch vor 4 Wochen, die Forderungen der betroffenen Bürgerinnen und Bürger durchaus ernst nimmt. Vielleicht habe ich in meiner Empörung etwas zu wenig für meine Forderungen geworben und stattdessen zu sehr die jahrelange Stillhaltepolitik der Grünen kritisiert  und die daraus entstandenen  schlimmen Konsequenzen für Kindergärten wie die Kita 114 oder den Kindergarten der Bergemeinde und für Schulen wie die Martin-Buber-Schule oder die Gruneliusschule zu sehr betont, aber diplomatisch wollte ich ja auch nicht sein.

In Facebook unter “Bündnis90/Die Grünen Frankfurt” hab ich anderntags unter Kennenlernen mit Rosemarie Heilig” den Kommentar gefunden: “sehr viel zum Kennenlernen gab es nicht”.

Für mich war das anders. Für mich war der Abend absolut nicht verloren. Zwar habe ich Frau Heilig nicht unbedingt kennengelernt, aber ich war für sie unüberhörbar und ich war damit auch nicht allein. Ich denke, sie nimmt unsere Forderungen jetzt ernster als vorher und weiß besser, dass die Menschen aus den Bürgerinitiativen nicht so leicht zu beruhigen, zu beschwichtigen oder gar zu täuschen sind. Mit Ihrer Aufforderung, “meine Energie entsprechend weiter sinnvoll einzusetzen” hat sie sogar durchaus mitgewirkt, mich zu motivieren, diesen Text zu schreiben. Und zu Ihrer Wahlkampf-Parole “Stilles neues Jahr. Und OB!” kann ich nur sagen: Ich werde nicht still sein, so lange unsere Forderungen nicht ausreichend gehört und erfüllt sind. Schließung der Landebahn Nord! Begrenzung der Überflüge! Nachtflugverbot!
K. D. 08. 01. 2012

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