Fraports Klimaschutz-Programm ist eine Mogelpackung!

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist das gestern angekündigte Klimaschutz-Programm der Fraport eine Mogelpackung. BUND Vorstandssprecherin Brigitte Martin: “Da stimmen die Versprechungen nicht mit den Realitäten überein”. Der Flughafenausbau ist schädlich für das Klima. Die Ankündigung des Fraport-Chefs Wilhelm Bender nach einem “CO2 neutralen” Flughafenausbau wird ein leeres Versprechen bleiben.
Der BUND bezieht sich bei seiner Kritik auf die von Fraport selbst
erstellten Planfeststellungsunterlagen, die im Frühjahr 2007 offengelegt
wurden. Danach steigen die Kohlendioxid-Emissionen durch den Flughafenausbau
von 2005 bis 2020 um 87 % oder 964.961 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr an. Ein
CO2 neutraler Ausbau, wie ihn Fraport-Chef Wilhelm Bender der Öffentlichkeit
heute versprochen hat, würde also voraussetzen, dass diese gewaltige Steigerung klimaschädlicher Gase in vollem Umfang durch Einsparungen kompensiert und nicht eintreten würde.

Tatsächlich führen die von Bender genannten Reduktionspotenziale aber nicht
zu einem klimaneutralen Flughafenausbau, sondern nur zu einer Begrenzung des
Anstiegs der zusätzlichen jährlichen Kohlendioxid-Emissionen. Lediglich die
vom Flughafenausbau zusätzlich ausgelösten Kohlendioxid-Emissionen würden um
ca. 30 % kleiner ausfallen und dann aber immer noch ca. 650.000 Tonnen
Kohlendioxid pro Jahr zusätzlicher Emissionen betragen.

Unzulässig ist die Verknüpfung der Klimaschutzziele mit den – angeblich –
künftig geringeren Emissionen durch den – angeblichen – Wegfall von
Warteschleifen. “Diese Veränderungen sind bereits in die Berechnungen zur
Planfeststellung eingegangen und haben nichts mit einer zusätzlichen
Verbesserung der Situation zu tun”, stellt Brigitte Martin vom BUND klar.
Vielmehr würde die Öffentlichkeit durch die Verknüpfung über die
Zusammenhänge getäuscht, denn der gewaltige Zuwachs der Emissionen nach dem
Ausbau entstünde trotz der angeblichen Verbesserung bei den Warteschleifen.

Schwierigkeiten hat die Fraport einmal mehr mit der richtigen Beurteilung
ihres Handelns für den Wald. Wenn sie darauf hinweise, dass die jährlich
geplanten Kohlendioxid-Einsparungen je Flugpassagier der Fläche von 60
Hektar Laubwald entspreche, dann verschweige sie, dass der Flughafenausbau
zur Rodung einer fast fünfmal so großen Waldfläche führe. Sollten nur die
vom Ausbau ausgelösten zusätzlichen Kohlendioxid-Emissionen durch Wald
gebunden werden, müsste bei Berücksichtigung der Fraport-Kalkulation und je
nach Erfolg bzw. Misserfolg des heute angekündigten Klimaschutz-Programms
jährlich die Neupflanzung von 300 bis 445 Hektar Wald erfolgen.

Kritisch bewertet der BUND, dass zum Klimaschutz – wie beim Lärmschutz –
erneut nur eine Ankündigung gemacht wurde. “Wir erwarten endlich Taten”,
sagt BUND Vorstandssprecherin Brigitte Martin.

Die Kritik des BUND berücksichtigt bereits die für den Flughafenbetrieb
günstigen Zahlen der Planfeststellungsunterlagen zum Ausbau. Dort wurden
nämlich nicht die Emissionen der gesamten zusätzlichen Flugstrecken
berücksichtigt, sondern nur die Emissionen im Nahbereich des Flughafens.
Unberücksichtigt lässt der BUND bei seiner Kritik auch die gravierenden
Unterschiede in der Klimarelevanz der Emissionsorte. “Da Emissionen in den
Flughöhen viel schlimmer sind als am Boden, kann die Reduktion einer Tonne
Kohlendioxid am Boden den Mehrausstoß während eines Fluges leider nicht
kompensieren”, stellt BUND Vorstandssprecherin Brigitte Martin fest.

Zum Hintergrund:

1. “Geplante” neue Zusatzbelastung an CO2 durch den Flughafenausbau
* Jährliche Zusatz-Emission an CO2 durch den Flughafenausbau laut
Planfeststellungsunterlagen (Ordner 39, Gutachten 1, Teil III, S. 81):
964.961 Tonnen
* Angekündigte jährliche Reduktion bis 2020 durch Umstellung auf

“Öko-Strom”: 185.000 Tonnen
* … und pro Flugpassagier: 130.000 Tonnen
* “Geplante”, neue Zusatzbelastung an CO2 durch den Flughafenausbau: 649.961
Tonnen

2. Notwendige Waldfläche zur Bindung der jährlichen CO2 Zusatzbelastung
* CO2 Bindung je Hektar Laubwald (130.000 CO2 Tonnen ./. 60 Hektar): 2.166,7
CO2-Tonnen/Hektar
* Jährliche Aufforstungsfläche bisher (CO2 Zusatzemission von 964.961
Tonnen): 445 Hektar
* Jährliche Aufforstungsfläche neu-geplant (CO2 Zusatzemission von 649.961
Tonnen): 300 Hektar

3. Aktuelle BUND-Studie zur Klimaschädlichkeit der Luftfahrt:
Schallaböck, K.-O. (2007):”Luftverkehrsstudie 2007: Im Steigflug in die
Klimakatastrophe?

http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/verkehr/20080409_verkehr_luftverkehr_2007_wuppertal_studie.pdf

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