Ein weiteres Fraportgutachten für die Tonne

Mehr Flüge im Frankfurter WinterflugplanAufgrund der jüngsten Wirbelschleppenvorfälle und der noch anhängigen Klage ist das Wirbelschleppengutachten der Fraport in dem Planfeststellungsverfahren für die Nord-West-Landebahn  auf den Prüfstand gekommen. Es hat sich herausgestellt, dass in dem  Gutachten bewußt falsch gerechnet wurde: Auf Seite 46 des Gutachtens der Firma Dziomba Aeronautical Consulting, welches das Wirbelschleppenrisiko im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für Flörsheim untersucht, werden die Landegewichte von Flugzeugen verschiedener Klassen angegeben. Die Landegewichte sind maßgeblich für das Wirbelschleppenrisiko; je schwerer eine Maschine ist, desto größer ist das Risiko. Von Fraport werden in der Tabelle angegebenen  Gewichte  als „in der Realität üblich“  bezeichnet.  Bei den schweren Maschinen mit hohem Wirbelschleppenpotential wie der A340-600 und der B-777-300 fällt aber auf, dass die Landegewichte, die die Firma zu Grunde gelegt hat, geringer sind als das Leergewicht der Flugzeuge! Das ist bestimmt nicht üblich! Bei anderen Flugzeugklassen haben die Gutachter eingerechnet, dass Passagiere und Fracht bei der Landung an Bord sind, aber die schweren Maschinen fliegen für die Gutachter leer, ohne Passagiere, ohne Ladung  über Flörsheim!

Es drängt sich damit der Verdacht auf, dass das Wirbelschleppenrisiko nicht nur kleingeredet wurde, sondern für diese Maschinen mit hohem Wirbelschleppenpotential vorsätzlich falsch berechnet wurde, um das Risiko möglichst gering zu halten. Ein Ereignis in einer Million Jahren wurde von  diesen „Gutachtern“ prognostiziert.  Die Realität sieht mit mehr als 15 Ereignissen in weniger als zwei Jahren leider ganz anders aus. Warum hat man denn einen solchen Unfug akzeptiert?

War das Gutachten vielleicht entscheidend für die Genehmigung des Ausbaus oder wollte Fraport einfach nur die Kosten für die Klammerung von der Dachziegeln sparen? Die Flugzeuge, die über Flörsheim landen, fliegen deutlich niedriger als die, die über Raunheim landen. Raunheim ist immer wieder von Wirbelschleppen betroffen gewesen.

Es war also auch ohne tiefergehende Kenntnis des Gutachtens auf den ersten Blick erkennbar, dass das außerordentlich geringe Wirbelschleppenrisiko für Flörsheim nicht haltbar war.  Das kann man den Entscheidern, die die Abwägung der Fakten bei Ausbau durchgeführt haben, mit Fug und Recht vorwerfen.

Karl Fechter

 

 

2 Gedanken zu „Ein weiteres Fraportgutachten für die Tonne

  1. Nennt man so etwas nun arglistige Täuschung oder Betrug? – Im wirklichen Leben meine ich natürlich! Geht es aber um Flugverkehr stellen wir wieder und wieder fest, dass andere Regeln gelten, ganz gleich ob beim Strafrecht, oder beim Steuerrecht. Wie war das doch in dem Klassiker “animal farm”? Alle sind gleich, aber manche sind eben gleicher.

  2. ja ja, das sind vielleicht die Gutachten der Mächtigen und ihrer anonymen Handlanger, Mitläufer, Absahner und Rückgratslosen?. Es geht um Macht, Geld – doch nicht um Anstand.
    Die Karawane wird weiter ziehen, mit ihren Kameltreibern und ihren Kamelen. Die biegen sich alles so zurecht, bis es in ihre Pläne passt. Wer denkt da Böses?

Kommentar verfassen