Der Blutdruck hebt ab

Gelesen in der Süddeutschen Zeitung
Europäische Studie: Fluglärm belastet die Adern

Wer in der Nähe eines großen Flughafens wohnt und Fluglärm ausgesetzt ist, hat offenbar ein erhöhtes Risiko, an Bluthochdruck zu erkranken.
Die Forscher der soeben veröffentlichten Studie „Hyena” beziffert das Risiko auf 14 Prozent pro 10 Dezibel Lärm, die Starts und Landungen nachts verursachen (Environmental Health Perspectives, online). Ein Unterschied von 10 Dezibel wird als Verdopplung empfunden. In Großstädten kann der Unterschied zwischen ruhigen Vierteln, und „den lautesten, wo noch Menschen wohnen”, wie Wolfgang Babisch sagt, 30 Dezibel ausmachen.
Babisch, der beim Berliner Büro des Umweltbundesamts arbeitet, hat mit europäischen Kollegen gut 4800 Menschen befragt, die mindestens fünf Jahre in der Nähe von Flughäfen in Berlin, London, Amsterdam, Stockholm, Mailand und Athen gelebt hatten. „Es ist wieder ein Baustein hinzugekommen, dass Fluglärm gesundheitliche Folgen hat”, sagt er. Zuvor schon hatten Forscher festgestellt, dass Betroffene mehr Medikamente konsumieren und nachts häufiger aufwachen als Bewohner ruhiger Viertel. Mit dem unterschiedlichen sozialen Status war das nicht zu erklären; in der Nähe vom Flughafen wohnen schließlich oft ärmere Menschen. Dennoch streiten die beteiligten Forscher seit langem über Methoden und Ergebnisse. Auch die aktuelle Studie dürfte daran wenig ändern. Ihre Ergebnisse sind zwar statistisch signifikant, aber nur so gerade eben.
Debatten gibt es auch über die Konsequenzen, die aus den Studien zu ziehen sind. Während Flughäfen Nachtflugverbote als Wettbewerbsnachteil verteufeln, pochen Forscher auf eine Senkung der Lärmbelastung. Babisch fordert, der mittlere Schallpegel solle unter 55, besser noch unter 50 Dezibel sinken – das entspricht einem leisen Gespräch. Mathias Basner vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln hingegen stellt die einzelnen Lärmereignisse in den Vordergrund: Solche Geräusche ließen in einer DLR-Studie fast jeden Fünften aufwachen. Besonders in der zweiten Nachthälfte waren 40 Prozent davon nach vier Minuten noch immer wach. „Wir wissen nicht, welche dauerhaften Gesundheitsfolgen das hat. Das ist der nächste Schritt”, sagt Basner

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