Vollversammlung April 2016 – Ergebnisse der Norah Studie

ergebnisse
Norah die Ergebnisse im Überblick

  • Lebensqualität und Belästigung
  • Krankheitsrisiken/Fallkontrollstudie
  • Schlaf
  • Blutdruck
  • Kinder
  • Akustische Grundlagen

Fragestellung

  • Ziel der Studie
  • Zeitraum
  • Kosten

Studie: Lebensqualität und Belästigung

  • Anzahl der Studienteilnehmer
  • Belästigung versus Belastung
  • Die Belästigung durch Fluglärm und Lärm steigt auch international

Anstieg der Belästigung

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Flugzeuge stören mehr als Autos

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Gründe für den höheren Störungsgrad

  • Nicht Dauerschallpegel sondern Einzelschallereignisse und Maximalpegel sind entscheidend
  • Unterschiedliche Lärmbewältigungsvermögen
  • Mangelndes Vertrauen in die Fairness der Entscheider über den Lärm
  • Ausgeliefertsein und echte Ängste vor Bedrohung
  • höhere Akzeptanz von Straßen- und Schienenlärm aufgrund der Benutzungshäufigkeit

Seelische und körperliche Lebensqualität leidet unter Lärm

  • Bereits 2011 bewerteten stark und äußerst stark vom Fluglärm Belästigte ihre psychische Lebensqualität im Vergleich zum Bundesdurchschnitt geringer, während weniger oder gar nicht Belästigte in ihrer Bewertung im Bundesdurchschnitt lagen oder darüber
  • 2013 sank die Lebensqualität stärker Belästigter noch weiter ab als nach der Lärmzunahme erwartet wurde
  • Es ist bewiesen, daß die vom Fluglärm verursachten Belästigungen zu chronischen Krankheiten führen können.

Studie: Krankheitsrisiken/ Fallkontrollstudie

  • Basis der Untersuchung sind etwa 1 Million Versichertendaten von drei gesetzlichen Krankenkassen im Regierungsbezirk Darmstadt und in Rheinland-Pfalz und eine vertiefende Befragung bei einem Teil der Versicherten
  • Einbezogen sind Versicherte ab 40 Jahre

Untersucht wurden Neuerkrankungen zwischen 2006 und 2010

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Ergebnisse der Fallkontrollstudie

  • Für alle Verkehrsarten gibt es einen Zusammenhang zwischen Lärm und dem Auftreten eines Herzinfarktes, eines Schlaganfalls, einer Herzschwäche und einer Depression.
  • Andere Studien kommen z. T. zu noch höheren Krankheitsrisiken als NORAH.
  • Es sterben mehr Menschen am Verkehrslärm als am Verkehr selbst.
  • Damit haben die vom Lärm ausgehenden Krankheitsrisiken eine bevölkerungsbezogene Bedeutung.

Risiko Herzinfarkt

  • Das Infarktrisiko durch Fluglärm ist bereits bei einem Dauerschallpegel unter 40 dB erhöht
  • Das Sterblichkeitsrisiko steigt ab 40 dB pro 10 DB um 6-8 % und ab 60 dB um 25 %
  • Bei einem Pegel von 50-60 dB zwischen 5 und 6 Uhr morgens ist das Infarktrisiko um 25 % erhöht
  • Die Analyse bei Einschränkung auf im Untersuchungszeitraum verstorbene Herzinfarkt-Fälle zeigt für einen Pegel von 60 dB und mehr einen Anstieg des Risikos auf das 2,7fache (zum Vergleich: bei entsprechend lautem Schienenverkehr liegt die Risikoerhöhung nur bei 26 %)
  • Für einzelne Stunden werden unterschiedliche Risiken festgestellt

Risiko Schlaganfall

  • Das Schlaganfallrisiko steigt signifikant an, wenn der Dauerschallpegel unter 40 dB liegt, Einzelschall-ereignisse jedoch über 50 dB
  • Erhöhte Risiken gibt es auch bei 55-60 dB in der Nacht von 23 bis 5 Uhr und noch stärker in der Zeit von 23 bis 7 Uhr
  • Bei über 60 dB steigt das Schlaganfallrisiko um 62 %
  • Längere Wohndauer erhöht das Schlaganfallrisiko

Risiko Herzschwäche

  • Das Risiko der Herzinsuffizienz ist durch Fluglärm statistisch signifikant erhöht: •Pro 10 dB Dauerschallpegel nimmt es im Durchschnitt um 1,6 % zu
  • Bei Frauen sind die Risiken mit 2,1 % pro 10 dB höher
  • Maximalpegel über 50 dB erhöhen das Risiko auch bei Dauerschallpegeln von 40 dB
  • Personen unter 60 Jahren haben ab 40 dB ein steigendes Herzinsuffizienzrisiko, bei Älteren sind die Risiken vor allem zwischen 40 und 45 dB erhöht
  • Es gibt eine statistisch signifikante Risikoerhöhung auch bei Betrachtung fast aller Einzelstunden zwischen 22 und 7 Uhr
  • Von Bedeutung sind auch die Innenraumpegel, die noch deutlicher als die Außenpegel auf erhöhte Erkrankungsrisiken hinweisen
  • Damit wird in der NORAH-Studie der Lärm als ursächlicher Beitrag für die Entwicklung von Herzinsuffizienz gesehen.

Risiko Brustkrebs

  • Für die meisten Verkehrslärmarten wurde kein erhöhtes Brustkrebsrisiko gefunden
  • Ausnahme Fluglärm:
  • Bei einem Dauerschallpegel von 55 dB und höher in der Nacht von 23 bis 5 Uhr steigt das Risiko an Brustkrebs zu erkranken auf das Dreifache
  • Für Zeit von 23 bis 7 Uhr ist es bei 55 d B und mehr noch um 50 % erhöht
  • Beträgt die Wohndauer 5 Jahre, ist das Brustkrebsrisiko auf das 4fache erhöht, bei 10 Jahren Wohndauer auf das Doppelte

Risiko Depression

  • Das Erkrankungsrisiko ist unter Fluglärm besonders hoch.
  • Unter Berücksichtigung des 24 h – Dauerschallpegels wird ein Risiko für depressive Episoden von 8,9 % pro 10 dB beobachtet (allerdings wieder sinkend bei hohem Lärmpegel)
  • Frauen sind mit 9,2 % pro 10 dB stärker betroffen als Männer (8,6 %)
  • Bei der Prüfung eines Zusammenhangs zwischen nächtlichem Fluglärm und dem Auftreten einer Depression finden sich in der gesetzlichen Nacht (22 bis 6 Uhr) statistisch signifikante Risikoerhöhungen bei einem Schallpegel von 40-45 dB sowie von 50-55 dB
  • Im Zeitraum von 23 bis 5 Uhr sowie in der EU-Nacht von 23 bis 7 Uhr finden sich ebenfalls statistisch signifikante Risikoerhöhungen
  • Die Risikoerhöhung ist bei unter 60 Jährigen etwas höher als bei Älteren
  • Eine Wohndauer über 10 Jahre erhöht ebenfalls das Risiko

Studie: Schlafstudie

  • Experimentelle Studie im Umfeld des Frankfurter Flughafens mit relativ geringem Untersuchungsumfang
  • 3 Untersuchungsstufen:
  1. 2011 vor Einführung der Nachtflugbeschränkung mit 48 Probanden
  2. 2012 mit 79 Probanden (diese beiden Teile mit der aufwendigen Methode der Polysomnografie)
  3. 2013 mit 187 Probanden (Vermessung vegetativ-motorischer Reaktionen im Schlaf)
  • Insgesamt ca. 200 schlafgesunde Personen im Alter von 18 bis 78 Jahren

Schlafstudie: Probleme der Studie

  • Viele Personengruppen wurden ausgeschlossen: Personen mit chronischen Krankheiten wie Herzrhythmusstörungen, Allergien, Schnarcher, Personen mit Kindern unter 6 Jahren im Haushalt, Schichtarbeiter u.a.
  • In einigen Fällen dient eine Studie vom Köln-Bonner Flughafen von 2001/2 zum Vergleich
  • Technische Probleme haben die Datenauswertung erschwert und führten z.T. zu Hilfskonstruktionen

Auswirkungen der Nachtflugbeschränkung 23h-5h

  • Es wurden zwei Schlafzeit-Gruppen unterschieden
  1. Schlafzeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr
  2. Schlafzeit zwischen 23 Uhr und 7 Uhr 30
  • Bei der ersten Gruppe sinken die Aufwachreaktionen durch die Nachtflugbeschränkung von 2,0 auf 0,8
  • Bei der zweiten Gruppe nur von 2,0 auf 1,9 •Müdigkeit und Schlappheit am Morgen und am Tag steigen in beiden Fällen

Subjektive Bewertung des Schlafs

  • Das subjektive Erleben „guter Schlaf“ sinkt von 2011 bis 2012 um 5-11 % •Die Anzahl der Überflüge ist entscheidend für die Belästigung
  • Altbelastete fühlen sich erheblich stärker belästigt als Neubelastete (bei 30 Überflügen um 20 %, bei 60 Überflügen um 50 %)
  • Diese Erkenntnis deckt sich mit den Angaben zur subjektiven Gewöhnung an den Fluglärm: nur 20 % der Betroffenen gewöhnt sich gut daran
  • Die Kurve der Belästigung am Morgen durch Fluglärm in der vergangenen Nacht steigt sowohl mit der Häufung der Schallereignisse als auch mit dem dB (A) Wert massiv an
  • Die Schläfrigkeit am Morgen hat zwischen 2011 und 2013 zugenommen
  • Für die Müdigkeit am Morgen sind die Werte ebenfalls gestiegen.
  • Es gibt einen Zusammenhang zwischen schlechtem Schlaf und der Einstellung zum Flugverkehr (was Ursache und was Wirkung ist wurde nicht geklärt)
  • In der Studie wird gefordert, daß das subjektive Schlafempfinden ernstgenommen werden muß, ebenso die Differenz zwischen objektiven Messungen und subjektivem Empfinden

Körperliche Reaktionen und Schalldruckpegel

  • Es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen Fluglärmereignissen und Aufwachhäufigkeit pro Nacht
  • Bei einem Hintergrundpegel von 28,8 db(A) erhöhte sich 2011 und 2012 pro 10 dB(A) Anstieg des Maximalpegels eines Überfluggeräusches die Chance aufzuwachen um 23 %
  • Nicht der Dauerschallpegel sondern Geräuschlängen und Einzel- ereignispegel sind entscheidend, die Geräuschlängen dauern bis 200 Sekunden und die Überfluggeräusche liegen zwischen 30 und größer 80 dB, Innenpegel gingen bis 70 dB(A)
  • Auch die Dauer und die Anzahl vorheriger Überflüge, die verstrichene Schlafdauer und das Alter beeinflussen die Wahrscheinlichkeit aufzuwachen
  • Die fluglärmassoziierte Wahrscheinlichkeit einer vegetativen Reaktion ist bei gleichem Maximalpegel höher als die Aufwachreaktion (15-25 % bei 50 bis 70 dB ansteigend)
  • Die eingesetzte Methode zur Messung vegetativ-motorischer Reaktionen mißt auch Herzfrequenzbeschleunigungen, die möglicherweise Kreislaufstörungen nach langjähriger nächtlicher Lärmexposition bewirken
  • Die Verminderung der Aufwachreaktionen reduziert Krankheiten (müßte tiefer untersucht werden)
  • Es gibt Zusammenhänge mit dem Studienteil zu Krankheitsrisiken, es ist notwendig, die Dosis-Wirkungskurven zu erweitern als Basis für das Lärmschutzgesetz, Zusammenhänge gibt es auch zur Kinderstudie

Studie: Blutdruck

  • 844 Teilnehmer an der Blutdruckstudie haben über einen Zeitraum von drei Wochen jeden Morgen und jeden Abend ihren Blutdruck selbst gemessen (Teilnehmer aus der Lebensqualitätsstudie)
  • Nach einem Jahr wurden die Messungen bei einem Teil der Probanden wiederholt
  • Personen mit erhöhtem Blutdruck waren zunächst ausgeschlossen, bei einigen stellte sich jedoch ein erhöhter Blutdruck während der Studie heraus, diese gingen in die Bewertung ein
  • Die Fluglärmbelastung der Probanden lag bei 40 dB und höher
  • Die Studie konnte keinen statistisch eindeutigen Zusammenhang zwischen Fluglärm und den für Herz und Kreislauf relevanten Parametern Blutdruck, Herzfrequenz und Blutdruckamplitude nachweisen
  • Es gibt jedoch Hinweise, daß der Anstieg des Blutdrucks durch Fluglärm bei bestimmten Personengruppen ausgeprägter ist (Männer, ältere Menschen, Bluthochdruckpatienten und Menschen mit einer mittleren Lärmempfindlichkeit)
  • Die Studie ist sowohl von der Methodik her als auch vom Ergebnis her sehr umstritten

Jede unserer Forderungen wird durch die Ergebnisse der Norah-Studie untermauert

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Unsere nächsten Aktionen

  • Politische Forderungen ausarbeiten und deutlich formulieren
  • BBI: Treffen mit Landtagsfraktionen
  • Offener Brief an neue Stadtverordneten
  • Schallstudie besser analysieren : wer?
  • Sollen wir Leporello, Plakate oder anderes entwerfen?

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