Bestandsaufnahme und Appell von Klaus Toepf

Flughafenerweiterung Frankfurt: Bestandsaufnahme und Appell
Der Frankfurter Flughafen soll um eine noch kurz vor der letzten Landtagswahl genehmigten Landebahn erweitert werden. Befürworter machen heftigst Druck. Die dann 24-stündige dröhnende Lärmbelastung von oben für mehrere 100.000 Menschen im Rhein-Main-Gebiet ist ihnen völlig gleichgültig.Der zuständige Noch-Minister fordert gerade wieder einmal mehr Lärm-Reduzierung. Scheinbar für Hamster, Fledermäuse, Kröten. Das wichtigste Thema Fluglärm wird völlig ausgeblendet.Der unerträgliche Lärm der heutigen rund 500.000 Flugbewegungen pro Jahr muss das zentrale Thema sein und nicht die hochgerechneten neuen Alibi-Arbeitsplätze oder Ersatz-Pflanzungen für gerodeten Wald.Lärm bleibt Lärm 24 Stunden am Tag, was die ständigen Messungen des Deutschen Fluglärmdienstes e.V. (www.dfld.de) eindeutig bestätigen mit Überschreitung der schon viel zu hoch angesetzten Dezibelgrenzen bei Tag und Nach. Über die eigenen Mess-Stellen-Ergebnisse schweigt die Stadt Frankfurt bisher.

Das sog. Nachtflugverbot (11:00 – 05:00) hat sich selbst brutal entlarvt. Und wer trägt in diesem Zusammenhang die Verantwortung für die in den letzten Jahren ständig stillschweigend erhöhten nächtlichen Starts (auf fas 70) nach Mitternacht z.T. im Minutentakt.

Die Nachtflüge allein sind nicht das ganze Problem. In den Sommermonaten ist der Aufenthalt auch abends bis Mitternacht im Freien auf Balkonen und in Gärten lärmverseucht. Schlafen bei offenem Fenster ist unmöglich, sondern nur noch eingesperrt in luftdicht hermetisch abgeschlossenen Zimmer-Käfigen, in die trotzdem noch Lärm dringt.

Von Fraport großzügig bezahlte Schalldämmung ist nur bedingt wirksam. Mindestens 100.000 Dachwohnungen z.B. können nicht gegen das in diesem Bereich besonders laute Dröhnen gedämmt werden. Überwiegend befinden sich unter diesen Dächern Schlafräume. Und nicht jeder kann – wie leserbrieflich geschildert – bei Bedarf nachts in den Keller eines Einfamilienhauses flüchten. Der gewaltige Wertverlust von Immobilien-Eigentum im Rhein-Main-Gebiet hat schon begonnen. Für private Objekte in bestimmten Lagen finden sich keine Käufer.

Bereits heute könnten div. Maßnahmen (z.B. An- und Abflugrouten/Steilflug) die Lärmbelästigung der Bevölkerung mindern. Nichts geschieht. Seitens der Verantwortlichen werden diese eigentlich sofort vollziehbaren Entscheidungen für die kommenen gerichtlichen Auseinandersetzungen mit den Flughafengegnern als Verhandlungsmasse gehortet und missbraucht. Eine wirklich delikate Raffinesse. Alle Lärmbetroffenen wären allerdings für eine sofortige Verbesserung der Situation dankbar – auch ohne weiteren Ausbau.

Der hoffentlich verhinderbare Ausbau (Ticonagelände-Kauf widerspricht außerdem der angekündigten preiswertesten Version) hätte weitreichende Konsequenzen. Die Flugbewegungen erhöhen sich von 500:000 um mehrere 100.000 pro Jahr. Die Lärmbelastung wird noch unerträglicher. Durch die bereits geplanten und von den Fluggesellschaften einklagbaren Nachtflüge wird die Lebensqualität der Anwohner weiter drastisch abgesenkt. Es ist auch zu befürchten, dass alle Bewohner zwischen den beiden alten Lande- und Startbahnen und der neuen Landebahn durch parallel einfliegende Flugzeuge absolut unzumutbarem Lärm ausgesetzt werden.
Und jedes gelandete Flugzeug startet auch wieder mit wesentlich höherem Start-Lärmpegel gegenüber dem Landeanflug. Das wird bewusst mit der Umschreibung Landebahn unterschlagen.

Mit der Inbetriebnahme der aus vielen Gründen umstrittenen Landebahn wird sich das Rhein-Main-Gebiet maßgeblich verändern. Aber nicht wie sich die Macher mit ihrer Denkmalsetzung das vorgestellt haben. Der Ärger, Unmut und Zorn der Bevölkerung wird immens sein, weil dann – leider zu spät – erkennt, dass die poliitsche Unehrlichkeit von Anfang an bestimmend war. Die Überhöhung von Fortschritt mit fraglicher Expansion und knallharten Wirtschafts-Interessen gegenüber Lebensqualität ist der eigentlich unendliche Skandal.

Ich fordere hiermit eindringlich alle Verantwortlichen und Entscheider, insbesondere die politische Elite auf, die tatsächliche Notwendigkeit dieser Landebahn zu überdenken, die in 10 oder 20 Jahren global wahrscheinlich auch nicht mehr den nötigen Stellenwert besitzen wird. Ich appelliere auch an Einsicht und Verantwortung gegenüber den Menschen in unserer Region.

Klaus Toepf

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