Artikel über Wertverlust von Immobilien von Nicolas Katzung

AUSWIRKUNGEN VON FLUGLÄRM – Grundrecht wird mit Füßen getreten

Der Aus­bau des Frank­fur­ter Flug­ha­fens ist nach Mei­nung von IZ-Re­dak­teur Ni­co­las Kat­zung ein er­schre­cken­des Bei­spiel dafür, wie hilf­los Grund­stücks­ei­gen­tü­mer dem of­fen­bar will­kür­li­chen Han­deln von Po­li­ti­kern und dem Pro­fit­hun­ger von Un­ter­neh­men aus­ge­setzt sind.Ja, klar, das Ar­gu­ment, dass ein Flug­ha­fen in der Nähe auch viel Gutes mit sich bringt, ist nicht von der Hand zu wei­sen. Vie­len Bür­gern dürf­ten die gute In­fra­struk­tur und die spru­deln­den Ge­wer­be­steu­er­ein­nah­men für ihre Ge­mein­de von sich in der Nähe an­sie­deln­den Un­ter­neh­men aber nicht ge­ra­de zu Freu­den­sprün­gen ver­hel­fen. Die psy­chi­sche Be­las­tung in­fol­ge des Flug­lärms ist das eine, die kalte Ent­eig­nung das an­de­re Übel. Wer sich den Traum vom Ei­gen­heim er­füllt und Mitte der 90er Jahre im Flörs­hei­mer Nor­den ge­baut hat, er­lebt ge­ra­de einen Alb­traum. Dass die Im­mo­bi­li­en auf einen Schlag we­ni­ger Wert sind, kann zwar noch keine Sta­tis­tik nach­wei­sen. Wenn pro Tag fast 300 Flug­zeu­ge in 280 m über die Dä­cher don­nern, braucht man aber keine Sta­tis­tik, um zu wis­sen, dass die 250.000 Euro teure Dop­pel­haus­hälf­te für die­sen Preis kei­ner mehr haben will. Eine Ent­schä­di­gung für den Wert­ver­lust gibt es nicht, nur für Lärm­schutz­maß­nah­men, aber in be­grenz­tem Um­fang. Ein­igeln und Fens­ter ge­schlos­sen hal­ten heißt also die De­vi­se. Was Be­trof­fe­ne auf die Palme bringt, ist die Hilf­lo­sig­keit, mit der man der fak­ti­schen Ent­eig­nung ge­gen­über­steht. Die Be­woh­ner des Frank­fur­ter Ler­ches­bergs kön­nen ein Lied­chen davon sin­gen. Im Zwei-Mi­nu­ten-Takt rau­schen die Tur­bi­nen neu­er­dings über ihre Vil­len hin­weg. Wie viel ihre hüb­schen An­we­sen noch wert sind, wis­sen sie nicht. Ver­kau­fen wol­len den­noch viele. Auch in Egels­bach wird ein Neu­bau­ge­biet über­flo­gen, wenn auch in deut­lich grö­ße­rer Höhe als in Flörs­heim und auf dem Ler­ches­berg. Der Im­mo­bi­li­en­steu­er­recht­ler Rolf Krauß hatte sich, bevor er ge­baut hat, extra er­kun­digt, ob die neuen Flug­rou­ten über sein Bau­grund­stück gehen wer­den. Mit Si­cher­heit nicht, hieß es da­mals vom Bür­ger­meis­ter. Es kam an­ders. Auf min­des­tens 30% schätzt er den Wert­ver­lust. Wer es sich nicht leis­ten kann, seine Im­mo­bi­lie preis­re­du­ziert zu ver­kau­fen, muss mit dem Lärm und sei­nen Fol­gen leben. Pech ge­habt. Pla­nungs­si­cher­heit für Häus­le­bau­er ade. Wenn Flug­rou­ten ent­ge­gen vor­he­ri­ger Aus­künf­te di­rekt über Neu­bau­ge­bie­te flie­gen, dann grenzt das an Will­kür und ist ein Tritt gegen den grund­recht­lich ge­schütz­ten Ei­gen­tums­be­griff. Die Lehre kann daher nur lau­ten: Hal­tet euch vom Flug­ha­fen fern.

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